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ADIE (Association pour le droit à l'initiative Economique),
www.adie.org
Good Practice in Microlending am Beispiel Frankreichs:
Von Brigitte Maas, GLS Gemeinschaftsbank eG
Kraft eines 2002 in Frankreich verabschiedeten Gesetzes ist die ADIE (eine gemeinnützige Vereinigung nach dem französischen Vereinsgesetz von 1901) mit ihren 22 regionalen und 98 lokalen Zweigstellen nunmehr befugt, Kredite bei Banken aufzunehmen, um ihrerseits Darlehen an angehende Kleinstunternehmer/innen zu gewähren. Bei letzteren handelt es sich um Arbeitslose oder Empfänger von Sozialhilfe ("Revenu Minimum d'Insertion" oder RMI). Im Jahre 2002 vergab die Vereinigung Kredite an 5000 neue Kleinstunternehmen (2001 waren es noch 3500 gewesen, 1998 erst 1600 und 1996 gerade einmal 850) bei einer durchschnittlichen Höhe von 3500 EUR (Gesamtbetrag 17 Mio. EUR). Sie trug damit in den letzten 9 Jahren zur Schaffung von 16 000 Kleinstbetrieben und 19 000 Arbeitsplätzen bei. Die Ausfallquote liegt gegenwärtig bei 6,5 %. Es kommt ein Zinssatz von 6,02 % zur Anwendung (Stand 1.1.2003), wozu noch ein monatlicher Beitrag von 0,1 % hinzukommt, und die Laufzeit beträgt maximal 2 Jahre. Der Kreditnehmer / Die Kreditnehmerin muss für 50 % der Kreditsumme eine Bürgschaft ("caution solidaire") von Freunden und Angehörigen beibringen. Bisher wurden die Kleinstdarlehen durchweg von ADIE geprüft und bewilligt (zu den Sitzungen des Kreditausschusses wird ein Vertreter der Partnerbank eingeladen), aber entsprechend dem Gesetz über das Bankwesen zu 70 % von Banken ausgezahlt. Das Risiko teilen sich die ADIE (70 %) und die Bank (30 %). Ist der/die Kreditnehmer/in drei Raten in Verzug, kauft die ADIE der Bank das Darlehen ab und übernimmt selbst die Eintreibung der Forderungen. ADIE beteiligt sich auch an unterstützenden Dienstleistungen für Unternehmen, indem sie unerfahrenen Existenzgründer/innen Schulungs-, Betreuungs- und Beratungsleistungen anbietet. Die Überlebensquote der neu gegründeten Kleinstunternehmen liegt nach zwei Jahren bei 75 % und ist damit ebenso hoch wie generell bei Unternehmensgründungen in Frankreich. (GD Unternehmen, 2003: Seite 23-24)
Literaturhinweis:
GD Unternehmen der EU (2003): Mikrokredite für Existenzgründer und Kleinbetriebe
Ausgleich einer Marktlücke - Dokument ENTR-2003-01585-00-00-DE-TRA-00 (EN), Brüssel [http://europa.eu.int/comm/enterprise/entrepreneurship/financing/index.htm]
Was ist an ADIE noch interessant?
ADIE ist eine landesweit tätige Spezialorganisation. ADIE arbeitet kontinuierlich an der Verbesserung seiner Methoden, verändert Prozesse, Produkte und Betreuung und erweitert sein KundInnenspektrum um besonders benachteiligte Zielgruppen wie MigrantInnen und Obdachlose.
ADIE schätzt, dass rund 2.000 € pro Kredit benötigt werden um Transaktionskosten (Kreditwürdigkeitsprüfung, Monitoring, Unterstützungsleistungen) und Risikokosten zu decken.
Sofern Banken in den Prozess einbezogen sind, erhalten diese rund 6% Zinsen und eine 70%ige Ausfallgarantie von ADIE - ADIE erhält die Gebühr von 3%. Für Begleitmaßnahmen erhält ADIE Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds oder beteiligt sich mit Modellprojekten an EU-Gemeinschaftsinitiativen wie Recite oder EQUAL.
ADIE konnte seine Kreditausfallrate von 20% (1989) auf 5% (2001) senken. Die Zahlungen im Verzug liegen bei rund 8,5%. Dies wird für die überwiegend nicht als kreditwürdig einzustufende Zielgruppe als sehr günstig erachtet (Evers, J.: Seite 5).
Ein Kreditbetreuer führt ca. 300 KundInnengespräche pro Jahr, aus denen ca. 40 neue Kredite entstehen. Ein/e KundenbetreuerIn ist für rund 70 - 80 aktive KundInnen zuständig. Diese Verhältnis soll im Rahmen von Effizienzsteigerungen noch erhöht werden.
Mehrere hundert ehrenamtlich Tätige - überwiegend Pensionäre und Pensionärinnen - engagieren sich in Unterstützungstätigkeiten für KreditnehmerInnen, welche für die KundenbetreuerInnen zu zeitintensiv sind oder sie engagieren sich in Kreditvergabegremien.
Die Kreditvergabegremien prüfen alle Darlehensanträge einer Region. Sie treffen sich in der Regel mehrmals pro Monat. Die Mitglieder sind Ehrenamtliche - z.B. ehemals Berufstätige wie Bänker, Rechtsanwälte und Manager. Wöchentlich werden fünf bis zehn Kredite während eines Meetings geprüft. Die AntragstellerInnen nehmen nicht am Meeting teil (Evers, J. u.a.: 1999 - ADIE CaseStudy).
Literaturhinweis:
Evers, J. u.a. (1999): Reducing Cost and Managing Risk in Lending to Micro Enterprises, Zeist / Hamburg
Evers, Jan: Benchmarking für moderne Wirtschaftsförderung mit Finanzdienstleistungen
(Internetdokument ohne Angabe von Zeit und Ort)
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