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"Mikrofinanz als eine tragfähige Strategie bekannt machen"

Interview mit Dr. Bernd Balkenhol, Leiter des Bereiches "Social Finance" bei der International Arbeitsorganisation (ILO) in Genf, Mitglied des DMI-Methodik-Ausschusses

Herr Balkenhol, Sie haben die Studie "Micro-finance in industrialized countries" herausgegeben. Was sind die Kernpunkte, die sich auf die Situation in Deutschland beziehen lassen?

Die Untersuchung hatte Existenzförderungsprogramme in 7 Ländern zum Gegenstand: Kanada, USA, Großbritannien, Irland, Frankreich, die Niederlande und Deutschland, soweit sie eine Mikrofinanzkomponente haben. Wir haben uns dabei sowohl für private als auch für öffentliche Träger und Finanzintermediäre interessiert. Unser Ziel war es, Mikrofinanz als eine tragfähige Strategie in der Förderung von Existenzgründungen besser bekannt zu machen, vor allem im Hinblick auf Gründungen aus einer sozial prekären Situation heraus.
In der gegenwärtigen Reformdiskussion ist vom gesamten Hartz Paket derjenige Teil am wenigstens kontrovers, der sich mit den Ich AGs und anderen Instrumente der Existenzförderung befasst: in meinen Augen ein Zeichen, dass die Arbeiten zu Mikrofinanz in Deutschland heute relevanter denn je sind.

Im Vergleich zu anderen Ländern: Was sind die besonderen Herausforderungen in Deutschland?

Im Vergleich zu anderen Ländern fällt zunächst einmal das Ausmaß direkter öffentlicher Interventionen durch Transferleistungen auf - Stichwort "Überbrückungsgeld". Erst in den letzten Jahren hat der Finanzsektor mit dem DtA-Startgeld eine Initiative gestartet, die von der Größenordnung her mit Mikrofinanz vergleichbar ist. Nur ist das Volumen und die Aufnahme durch die Zielgruppe noch sehr beschränkt. Was vor allem aber auffällt in Deutschland ist die relativ geringe Zahl von privaten Trägern und Initiativen. Nun ist das Geschäft "Förderung von Existenzgründungen" komplex, die meisten Träger belassen es nicht bei der reinen Finanzierung, sondern bieten auch Beratung und andere Serviceleistungen an. Das wiederum macht die Förderung kostspielig und subventionsbedürftig. Es ist noch zu prüfen, ob eine Aufweichung des Kreditmonopols der Banken auch reine Mikrofinanzinstitute auf den Markt rufen würde, die leichter nachhaltig operieren könnten. Bis jetzt jedenfalls bleiben die Träger mittelfristig von der Förderung durch öffentliche Budgets abhängig. Hinzu kommt erschwerend die Planungsunsicherheit, da öffentliche Zuschüsse fast im Jahresrhythmus neu verhandelt werden müssen. Schließlich fehlt die Verknüpfung einer weitergehenden Förderung von der tatsächlichen Förderungsleistung des Trägers. Kurz: es mangelt an Transparenz in der Förderung der Träger.

Wie kann eine Organisation wie das DMI erreichen, dass eine Flächen deckende Struktur für Microfinance entsteht?

Das DMI spielt eine kritische Rolle, in vielerlei Hinsicht: - als Schaltstelle von Informationen, - als Initiator von Erfahrungsaustausch und von Begegnungen von Mikrofinanzinstituten und Banken, öffentlichen Stellen, den Medien, der Forschung; - PR, Meinungsbildung und Lobbyarbeit; - Ausarbeitung von Normen für die Förderungswürdigkeit; - kritische Bewertung von Gesetzgebungsvorlagen, usw.
Kurz: ich sehe das DMI als einen Motor, der die Mikrofinanzinitiativen in Deutschland bündelt und die erforderliche Professionalität sicherstellt. Das wird längerfristig die Flächendeckung sicherstellen. Wir müssen uns natürlich darüber im Klaren sein, das gerade im Bankensektor in Deutschland, aber auch in der Verwaltung noch erhebliche Informations - und Überzeugungsdefizite bestehen. Die gilt es zu beheben.


Eine detaillierte Darstellung enthält die Studie "Germany: Is there a case for public support to Microenterprises?" (PDF-Dokument, 569 kB)

 

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