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"Verband für kommunale Finanzdienstleister" in Großbritannien
- Vorbild für das D:M:I:?

Von Brigitte Maas, GLS Gemeinschaftsbank eG

Community Development Finance - damit ist die Finanzierung von lokalen Entwicklungsvorhaben auf Ebene der Gemeinden gemeint - ist auch in Großbritannien ein relativ neuer Sektor. Eine Aufgabe von kommunalem Banking oder auch Stadtteil-Banking ist es, eine Verbindung zwischen Institutionen des traditionellen Bankensektors und Initiativen zur lokalen Entwicklung herzustellen.

Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung dieses speziellen Finanzierungssektors ist es, dass sich Menschen aus Kommunen und Finanzwelt in einem Dialog engagieren, der für beide Seiten in der Regel neu ist. Wie immer, wenn Personen mit unterschiedlichem (arbeits)-kulturellem Hintergrund und Sprachgebrauch aufeinander treffen, bedarf es besonderer Kompetenzen, damit es nicht zu Missverständnissen, Fehlinterpretationen oder auch Falschdarstellungen der jeweils anderen Seite kommt. Darüber hinaus geht es bei kommunaler Entwicklung i.S. von Empowerment aber auch darum, Gemeinschaften zum Umgang mit Investitionsströmen zu befähigen, die bislang vielleicht wenig mit Kapital und Management zu tun hatten. Auf der Ebene des Microlending-Sektors geht es darüber hinaus auch darum, die Qualität und Kapazitäten der Branche insgesamt zu erhöhen sowie Qualitätsstandards / Benchmarks und eine gemeinsame Kommunikationsstrategie zu entwickeln. Hierdurch sollen z.B. Fundraising und Profilentwicklung erheblich vereinfacht werden.


Vom Alleingang zum gemeinschaftlichen Handeln ....

Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der praktischen Arbeit von Microlending-Organisationen in den USA haben die Social Investment Task Force (SITF - siehe auch "Kommunale Entwicklung und Microlending - in Großbritannien "Chefsache"!) in Großbritannien dazu veranlasst, eine Empfehlung zur Gründung eines "Verbandes für kommunale Finanzdienstleister" (Community Development Finance Institutions: CDFI) auszusprechen. Daraufhin konstituierte sich eine Steuerungsgruppe aus interessierten CDFI's sowie nahestehenden Netzwerken, um die Idee eines zentralen Verbandes zu realisieren.

Was sind Community Development Finance Institution's (CDFI's)?

CDFI's - oder kommunale Finanzdienstleister - können als neues Finanzierungsinstrument für die soziale, ökonomische und physische Revitalisierung unterfinanzierter Kommunen charakterisiert werden. Sie leihen und investieren in benachteiligte Gebiete und Markt- bzw. Kundensegmente, die keinen Zugang zu klassischen Finanzierungsinstrumenten haben. CDFI's sind selbständige und unabhängige Organisationen, die Finanzdienstleistungen unter zwei Zielsetzungen anbieten: die Erzeugung von sozialen und finanziellen Erträgen. Einige CDFI's bieten Darlehen an, andere wiederum Beteiligungen (Equity Investment); nur wenige CDFI's bieten beide Finanzierungsformen an. Sie bedienen verschiedene Kundengruppen wie Einzelpersonen, kleine und mittlere sowie auch soziale Unternehmen.

Im Rahmen der Aufbauarbeit für einen zentralen Verband wurde u.a. eine Anhörung mit der Zielsetzung durchgeführt, die mögliche Breite des Unterstützungsbedarfes von Microlendern zu ermitteln. 75% der Organisationen, die sich an der Anhörung beteiligt hatten, waren bereit, eine Aufnahme in dem zentralen Verband anzustreben.

Im April 2002 wurde dann der offizielle Start des CDFA unter Federführung des Finanzministeriums vollzogen. In seiner Arbeit wird der CDFA von der Regierung, Banken, Stiftungen und interessierten Einzelpersonen unterstützt. [Inzwischen unterstützt eine Reihe von Banken die CDFI's auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis. Es besteht aber auch noch die Option, sie über gesetzliche Regelungen dazu zu zwingen - ähnlich dem Community Reinvestment Act in den USA (Maas/Meißner 2001: 16 ff.).]

Die Finanzierung der CDFA erfolgte für die ersten zwei Jahre (2002-2004) zu 43% des geplanten Budgets über den Small Business Service's Phoenix Fund sowie 45.000 £ von Banken (NatWest / Royal Bank of Scotland Group, Barclays and Bank of Scotland Community Banking). Die CDFA erhält darüber hinaus Zuwendungen der Esmee Fairbaim Stiftung. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass Mitgliedsgebühren sowie Gebühren für Dienstleistungen in den ersten fünf Jahren nach Gründung rund 40% des geschätzten Finanzbedarf decken können. [Die Gebühren für Mitgliedsorganisationen liegen in Abhängigkeit von ihrem Fondsvolumen zwischen 250 und 750 £; die Gebühren für Unterstützungsorganisationen liegen zwischen 50 £ für Einzelpersonen bis zu 1.000 £ für Großunternehmen.] Weiterhin werden Organisationen, die Interesse an der Erhöhung des Entwicklungskapitals in unterkapitalisierten Kommunen haben, um Sponsoringgelder ersucht. Sponsoren wird die Möglichkeit eingeräumt, Einfluss auf die Entwicklung der CDFA zu nehmen und eng mit CDFI's zu kooperieren.

Mittlerweile gibt es in Großbritannien 60 CDFI's, von denen 25 Mitglieder der Community Development Finance Association (CDFA) sind, beispielweise:

  • Der Full Circle Fund, der Gruppenkredite an Frauen in East Anglia vergibt. Inzwischen umfasst der Full Circle Fund mehr als 60 Kreditzirkel sowie ein Unternehmen, das an der Entwicklung einer Frauen-Brauerei arbeitet (siehe auch http://www.microlending-news.de/artikel/full_circle_fund.pdf.)
  • Street (UK), ein Microlender, der von Birmingham, London und Tyneside aus mit nationaler Ausrichtung operiert. Street (UK) hat rund 5,7 Mio. € aus einer Mischung von ungesicherten Bankdarlehen (zur Weitervergabe) und Stiftungsgeldern (zur Deckung operativer Kosten) akquiriert. Seine Spezialität ist es, informelle Unternehmen beim Übergang in den offiziellen Unternehmensstatus zu unterstützen.
  • Aspire arbeitet in Nord-Irland, der geteilten Region, in der die Bevölkerung ein deutlich anderes Verhältnis zu Risiken einnimmt. In einem Klima, wo Wucherer 80-100% fordern, schreckt selbst ein 19%iger Zinssatz keine Kunden ab. Der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten - nicht dessen Preis - ist hier wichtig (Europ. Kommission 2003: ohne Seitenangabe).


"Aufbau eines erfolgreichen Finanzsektors für die kommunale Entwicklung"

ist der Titel des Strategieplans, den die Community Development Finance Association für den Zeitraum 2004 bis 2006 entwickelt hat. Dieser beschreibt, mit welchen Aktivitäten und Maßnahmen der Verband das Wachstum des Microlending-Sektors und somit die Stärkung seiner Einzelmitglieder vorantreiben möchte. Die eingangs genannte Entwicklung von Qualitätsstandards und Profilierung des Microlending-Sektors, die Erhöhung der Mitgliedszahlen und Fundraising haben im Strategieplan einen zentralen Stellenwert.
(http://www.cdfa.org.uk/resources/public_full.php?id=175)


Die CDFA bietet ihren Mitgliedsorganisationen folgende Dienstleistungen an:

Die Dienstleistungen der Community Development Finance Association sind recht vielfältig und reichen von individuellen Unterstützungsleistungen für CDFI's über allgemeine Informations-, Vernetzungs- und Beratungsleistungen (wie der Zugang zu Fördermitteln) bis hin zur Lobbyarbeit. Im einzelnen sind dies

  • Kompetenzentwicklung, einschließlich Training sowie andere Veranstaltungen und eine jährliche Konferenz
  • Vernetzung und informeller Austausch, einschließlich einer Website und eines vierteljährlichen Newsletters
  • Entwicklung von Leistungsindikatoren für den Microlending-Sektor, einschließlich einer jährlichen Publikation zur "Situation des kommunalen Banking"
  • Untersuchungen zu und Identifikation von Best Practice, einschließlich der Entwicklung eines Operator's Kit für kommunale Microlender
  • Interessenvertretung gegenüber der Regierung und anderen Beteiligten
  • Aufbau von Investor- und Branchenbeziehungen für den Microlending-Sektor


Literaturhinweis:

Europäische Kommission / EQUAL Website (2003): EQUAL Workshop Report "Making Entrepreneurship more accessible to all" - London Seminar, 5 & & June 2003

Maas, Brigitte / Heinz-Rudolf Meißner (2001): Zur Realität von Mikrokreditfonds in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu internationalen Umsetzungserfahrungen - Abschlussbericht und Dokumentation des Projektteils Mikrokreditfonds im Rahmen des NOW-Projektes "Women into Business", Berlin - download unter FAST-Studie Nr. 29

Website der Community Development Finance Association: www.cdfa.org.uk

 

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