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Microlending in Mainz - "Gute Praxis" schnell und kooperativ umgesetzt

Martin Koczor, Mainz

Die größte Hürde: Kreditfinanzierung

Bereits in der Anlaufphase der Entwicklungspartnerschaft MaGNet wurde deutlich, dass das Thema Existenzgründung für die Zielgruppen von EQUAL nicht nur individuelles Coaching und sehr intensive Begleitung auf dem Weg in die Selbständigkeit bedeutet, sondern dass auch über Hilfestellungen bei der letzten und größten Hürde, nämlich beim Zugang zum Gründerkapital, nachgedacht werden muss. Denn nicht zuletzt ist die Finanzierung bei Klein- und Kleinstgründungen ein großes Problem, da die Volumina dieser Darlehen deutlich unter denen der Produkte liegen, die üblicherweise von Kreditinstituten angeboten werden und somit nicht für diese Zielgruppe in Frage kommen. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage der Kreditsicherung, die insbesondere für Existenzgründerinnen und Existenzgründern, die sich aus am Arbeitsmarkt benachteiligten Personengruppen rekrutieren, oftmals nur negativ beantwortet werden kann. Der GEM 2002 (Global Entrepreneurship Monitor) empfiehlt, über alternative Formen der Vergabe von Kleinstkrediten an Existenzgründerinnen und -gründer nachzudenken.

Ein Kooperationszusammenhang entsteht:

Aus diesem Grund bildete sich im November 2002 eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitsverwaltung, der Kammern, der Banken und des Existenzgründungsvereins E.U.L.E., um sich mit dem Thema Microlending zu beschäftigen und ein entsprechendes Modell für MaGNet zu entwickeln.
Parallel dazu konstituierte sich das nationale thematische EQUAL-Netzwerk "Gründungsunterstützung" und die Zusammenarbeit nahm konkrete Formen an. Ein Ziel war dabei auch, von den Erfahrungen zu profitieren, die Kolleginnen und Kollegen in Sachen Microlending schon längere Zeit machten. Dank der Entwicklungspartnerschaften "Verbund Enterprise" und "EXZEPT" gab es für die Entwicklung des Mainzer Microlending-Modells wichtige Tipps, aber insbesondere auch zahlreiche Musterverträge, auf deren Basis "Mainzer Verträge" konzipiert wurden.
Dabei spielte die Tagung des thematischen Netzwerks zum Thema Gründungsunterstützung am 26. und 27. Februar 2003 in Mainz eine wichtige Rolle. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden von den Vertreterinnen und Vertretern anderer EQUAL-Partnerschaften aus dem Bereich Unternehmergeist bereits etablierte Microlending-Modelle vorgestellt und über die Möglichkeiten diskutiert, Microlending auch in Mainz einzuführen. Von herausragender Bedeutung war dabei, dass neben der operativen Ebene auch Vertreterinnen und Vertreter der strategischen Ebene der EP anwesend waren, die als Entscheiderinnen und Entscheider von den Präsentationen guter Praxis profitieren und sich ein Bild über die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle machen konnten. Ebenso wichtig wie die Praxisbeispiele war, daß die Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien, der Stadt, der Kammern und des Arbeitsamts erfahren haben, welche formalen Regelungen und Vertragswerke erforderlich sind, um einen Microlending Fonds zu etablieren. Die Fachleute aus den anderen Entwicklungspartnerschaften konnten hier mit Entwürfen aus ihrer Praxis aushelfen, so dass durch die Übernahme bzw. Umarbeitung bestehender Formulierungen ein Zeitgewinn für den Mainzer Microlending Fonds von mindestens einem halben Jahr realisiert werden konnte. Dieser Zeitvorteil ist in Anbetracht der Restlaufzeit des EQUAL-Projektes sehr bedeutsam. Im Einzelnen handelt es sich um die Satzung des MaGNet-Fonds, die Geschäftsordnung der Jury, die Kooperationsvereinbarung mit der Sparkasse Mainz sowie um den Treuhandvertrag und um verschiedene Teilnehmervereinbarungen, die auf der Basis von Vorlagen der GLS Gemeinschaftsbank eG entwickelt wurden. Diese Tagung kann somit als kick off-Konferenz für den Mainzer Microlending-Fonds betrachtet werden.

Das "Mainzer Modell":

Inzwischen liegt das Modell des MaGNet-Fonds vor, Microlending kann unter folgenden Umständen zu bestimmten Konditionen in Anspruch genommen werden: Die Gründerin oder der Gründer kommt zu einer Anlaufstelle von MaGNet und wird bis zur Vorlage eines tragfähigen Unternehmenskonzeptes beraten. Falls am Ende dieser Vorbereitungsphase ein erfolgloses Hausbankgespräch steht und die/der potentielle Existenzgründerin/-gründer ihr/sein Vorhaben realistischerweise beenden muss, kann der/die Gründungswillige bei MaGNet um einen Kredit in Höhe von 2.000,- bis 6.000,- Euro anfragen. Die MaGNet-Jury bewertet das Konzept und die Gründerpersönlichkeit und entscheidet einstimmig über die Kreditvergabe. Der MaGNet-Fonds besichert dann die Kredite, die von der Sparkasse in Mainz als Bankkredite ausgereicht werden.
Für die Kreditnehmerinnen und -nehmer, die diesen Kredit zu weitgehend marktüblichen Konditionen erhalten, ist ein Coaching durch Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter eines Teilprojekts der EP MaGNet obligatorisch. Das Coaching und der enge Kontakt zur EP soll helfen finanzielle Engpässe frühzeitig zu erkennen und damit das Scheitern der Existenzgründerin oder des -gründers zu verhindern. Falls der Kredit notleidend wird und Zins und Tilgung nicht mehr geleistet werden können, springt der MaGNet-Fonds ein und begleicht die Forderung gegenüber der Sparkasse.
Der MaGNet-Fonds wird insbesondere aus Einlagen der Arbeitsverwaltung, aber auch von weiteren MaGNet-Akteuren gespeist und soll spätestens im September 2003, wenn alle Verträge unterzeichnet sind, an den Start gehen. Das Fondsvermögen wird von einem Träger aus dem Bereich der Arbeitsmarktpolitik treuhänderisch verwaltet.

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