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Mikrofinanzierung hat wachsende Bedeutung

Brigitte Maas, GLS Gemeinschaftsbank eG und Falk Zientz, Deutsches Mikrofinanz Institut e.V.
(Microlending Newsletter - Ausgabe August 2004)

Kleinst- und Kleingründungen - und insbesondere auch Gründungen aus der Arbeitslosigkeit - haben erheblichen Anteil am Gründungsgeschehen. So geht der KfW-Gründungsmonitor 2004 davon aus, dass rund 430.00 Personen von den 1,655 Mio. Voll- und Nebenerwerbsgründer/innen im Jahr 2003 zuvor arbeitslos gewesen sind. Gleichzeitig wird der Zugang zu kleinem Startkapital immer schwieriger [Details: Selfemployment: Kleinstgründungen haben Gewicht]. Hier setzt Microlending an. [Details: "Mikrokredite: Ausgleich einer Marktlücke" - Eine Zusammenfassung des Berichts der EU-Generaldirektion Unternehmen]

Die Statistik des KfW-Gründungsmonitors

Der KfW-Gründungsmonitor 2004 hat im Rahmen einer bevölkerungsrepräsentativen Studie folgenden Finanzierungsbedarf bei Existenzgründer/innen festgestellt:

  • 26% haben keinen Finanzierungsbedarf
    (14% Voll- und 35% der Nebenerwerbsgründungen)
  • 14% haben einen Finanzierungsbedarf bis 1.000 Euro
    (10% Voll- und 17% der Nebenerwerbsgründungen)
  • 23% haben einen Finanzierungsbedarf zwischen 1.000 bis 5.000 Euro
    (21% der Voll- und 24% der Nebenerwerbsgründungen)
  • 23% haben einen Finanzierungsbedarf zwischen 5.000 und 25.000 Euro
    (34% der Voll- und 16% Nebenerwerbsgründungen)
  • 6% haben einen Finanzierungsbedarf zwischen 25.000 und 50.00 Euro
    (10% Voll- und 4% Nebenerwerbsgründungen)
  • 7% haben einen Finanzierungsbedarf zwischen 50.000 und 500.000 Euro
    (9% Voll- und 5% Nebenerwerbsgründungen) und
  • 1% hat einen Finanzierungsbedarf von über 500.000 Euro
    (2% Vollerwerbsgründungen - 0% Nebenerwerbsgründungen )

Das heißt:

  • 46% aller Gründer/innen [also rund 761.300] haben einen Finanzierungsbedarf zwischen 1.000 und 25.000 Euro.

Weiterhin kommt die Befragung im Rahmen des KfW-Gründungsmonitors zu folgenden Ergebnissen:

  • Gut die Hälfte der Gründer/innen mit diesem kleinen Kapitalbedarf [also rund 48% oder 365.424] kann diesen vollständig mit eigenen Mitteln decken.
  • Die andere Hälfte dieser Gruppe [gut 52% oder rund 395.876] ist auf Fremdfinanzierung angewiesen: Bankdarlehen, Mittel von Freund/innen, Verwandten und Bekannten, Beteiligungskapital, Förderdarlehen etc.
  • 23% dieser Gründer/innen [also rund 91.051] hatten Schwierigkeiten bei der Beschaffung des notwendigen Fremdkapitals. Die wichtigsten Probleme stellten fehlendes Eigenkapital, Schwierigkeiten beim Zugang zu Bankkrediten - insbesondere aufgrund fehlender Sicherheiten - sowie mangelnde Aufträge bzw. Umsätze dar.

Finanzierungsbedarf von Kleingründungen

Die hoch gerechneten 1,655 Mio. Gründerpersonen für 2003 (KfW-Gründungsmonitor) bilden die Grundlage für die nachfolgenden Kalkulationen. Hiermit wird der Versuch angestellt, die Nachfrage nach Kleinkrediten stärker zu verdeutlichen. Die Konkretisierung des Gesamt-Finanzierungsbedarfes fällt in diesem Zusammenhang schwer, da im KfW-Gründungsmonitor keine Aussagen darüber gemacht werden, wie erfolgreich sich die Finanzmittelbeschaffungen bei 23% bzw. rund 175.000 Gründer/innen mit einem Kapitalbedarf von 1.000 bis 5.000 bzw. den 23% bzw. 175.000 Gründer/innen mit einem Kapitalbedarf von 5.000 bis 25.000 Euro darstellten und wie hoch der durchschnittliche Finanzierungsbedarf der zweiten Gruppe ist.

Bei der Heranziehung eines mittleren Durchschnittswertes von jeweils 2.500 bzw. 12.500 Euro ergäbe sich ein jährlicher Finanzierungsbedarf von mindestens 437,5 Mio. Euro für Kleinstkredite bis 5.000 und 2.187,5 Mio. Euro für Kleinkredite bis 25.000 Euro.

Für die potenzielle Klientel der insgesamt 350.000 Gründer/innen mit einem Finanzbedarf bis 25.000 Euro ergibt sich damit ein geschätztes Kreditvolumen von 2,5 Mrd. Euro!

Zieht man in diesem Zusammenhang die Vergabe des KfW-Mikrodarlehens mit rund 1.700 Hausbankkrediten im Jahre 2003 als Vergleichsmaßstab für die geschätzten 91.051 Gründerpersonen mit Schwierigkeiten beim Zugang zu Startkapital heran, so erscheinen die bisherigen konventionellen Wege der Kreditvergabe für eine mittelfristige Problemlösung wenig geeignet [Details: Microlending und Mikrodarlehen: zwei verschiedene Paar Schuhe].

Auch der Global Entrepreneurship Monitors (GEM) kommt zu dem Fazit, dass Gründer und - noch stärker - Gründerinnen von Kleinstunternehmen mit einem geringen Kapitalbedarf es schwer haben, bei Banken bzw. Finanzinstituten Kredite zu akquirieren. Dieses restriktive Verhalten der Banken und Kreditinstitute hat zu einer stark verschlechterten Bewertung der gründungsbezogenen Rahmenbedingung "Finanzierung" in Deutschland geführt, so dass im internationalen Vergleich aus der einstigen Stärke eine Schwäche zu werden droht. Viele Expert/innen kritisieren in diesem Zusammenhang vor allem das Hausbankenprinzip und wünschen sich eine direkte Weitergabe der finanziellen Mittel an Gründerpersonen.

Hier setzt unser Microlending an:

Microlending-Organisationen zeichnen sich durch die Kombination von kundennaher Finanzierung und Begleitung aus. Im Gegensatz zu Banken verfügen sie einerseits über zielgruppenspezifische Prüfungsmethoden und Vergabetechniken (Brüche in der Kredit- und Berufsbiographie sowie unkonventionelle Gründungsideen stellen keine Hürde dar) und in einer zielgruppenspezifischen Programmgestaltung andererseits (geringerer bürokratische Aufwand, bedarfsgerechte stufenweise Kreditsummengestaltung etc.). Unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten ist an dieser Stelle anzumerken, dass der Anteil von geförderten Gründerinnen in Microlending-Initiativen meist überdurchschnittlich hoch ist. Das ist vor allem das Ergebnis von spezifischen personenbezogenen Bewertungskriterien.
Darüber hinaus sollen durch erprobte Begleitsysteme (Beratung, Qualifizierung, Coaching, Monitoring / Controlling) die benachteiligten Gründer und Gründerinnen sowie ihre Unternehmen erfolgreicher gemacht und damit weniger risikoreich sein sowie sich abzeichnende Krisen frühzeitig identifiziert werden.

Anmerkung:

Ebenso wie für den Bereich Selfemployment liegen für den Bereich Microlending wenig aussagekräftige Statistiken und Erhebungen zum Bedarf von kleinem Startkapital vor. Daher werden auch hier die bekannten Veröffentlichungen für eine erste Einordnung des Stellenwertes von Mikrofinanzierung herangezogen:

Literaturhinweis:

Lehnert, N. 2004: KfW-Gründungsmonitor 2004: Gründungen aus der Arbeitslosigkeit gewinnen an Bedeutung. (Kurzfassung der jährlichen Analyse von Struktur und Dynamik des Gründungsgeschehens in Deutschland.) Frankfurt.

Sternberg, R./Bergmann, H./Lücken, I. 2004: Global Entrepreneurship Monitor. Länderbericht Deutschland 2003. Universität Köln.

 

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