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Selfemployment: Kleinstgründungen haben Gewicht

Brigitte Maas, GLS Gemeinschaftsbank eG
Microlending-News August 2004

Sowohl im diesjährigen KfW-Gründungsmonitor als auch im aktuellen Global Entrepreneurship Monitor wird auf den sich abzeichnenden strukturellen Wandel im Gründungsgeschehen hingewiesen. Dadurch, dass ein immer größerer werdender Anteil der Bevölkerung eine Selbständigkeit als mögliche berufliche Option wahrnimmt, gibt es bei den Gründungszahlen eine Entwicklung hin zu mehr Kleinst- und Kleingründungen. Mittlerweile sind 60% der Selbständigen in Deutschland ohne weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tätig und Gründungen im Nebenerwerb, Zuerwerb sowie in Teilzeit sind in diesem Gründungssegment zu einem erheblichen Faktor. Der Monatsbericht Juli 2004 der Bundesagentur für Arbeit weist noch immer Steigerungen bei der Vergabe von Unterhaltsleistungen für Existenzgründer/innen aus der Arbeitslosigkeit aus. Nach den Ergebnissen des KfW-Mittelstandspanels erfolgt ein Viertel aller Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus (auch als "Notgründungen" oder "Selfemployment-Gründungen" bezeichnet). In einigen Bundesländern liegt der Anteil der Selfemployment-Gründungen an den Gründungszahlen sogar weitaus höher. In Nordrhein-Westfalen erfolgten z.B. im Jahre 2003 mehr als 43% der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus (Vergleich 2002: knapp 25%) [Quelle: Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen "Gründungsboom in NRW", Statement zur NRW-Gründungsbilanz 2003 von Minister Harald Schartau (19.03.2004 in Düsseldorf)].

Im Global Entrepreneurship Monitor wird darauf hingewiesen, dass die individuelle Motivation, sich selbständig zu machen, von hoher Relevanz für wirtschaftspolitische Maßnahmen ist, es wird dabei zwischen Opportunity- (Geschäftsidee nutzen) und Necessity- (Beendigung ökonomische Not) Gründungen unterschieden. Im KfW-Gründungsmonitor 2004 mündet die (neue) Erkenntnis hinsichtlich der hohen Bedeutung von kleinen (Nebenerwerbs)-Gründungen in die Kernaussage, dass diese stärker in die wirtschaftspolitische Diskussion eingebracht werden sollten.

Aus diesem Grunde möchten wir an dieser Stelle noch einmal die aktuellen Zahlen und Aussagen der bekannten Statistiken und Studien in kurzer Form zusammenfassen.

Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit für 2004 (Monatsbericht Juli)

Existenzgründungszuschuss für Ich-AG's (EXGZ)
Bis Ende Juli 2004 erhielten 105.191 Personen EXGZe (+ 104,9% gegenüber dem Vorjahr). Seit Einführung des EXGZ am 01.01.2003 wurden absolut 149.786 Ich-AG-Betreiber/innen gefördert.

Überbrückungsgeld (Ü-Geld):
Bis Ende Juli 2004 erhielten 87.551 Personen Ü-Geld (+ 13,2% gegenüber dem Vorjahr)

Die Zahlen und Aussagen des KfW-Gründungsmonitors 2004

  • Die bevölkerungsrepräsentative Befragung des KfW-Gründungsmonitors hat die Ergebnisse des Gründungsmonitors 2003 nochmals bestätigen können.
  • 2003 haben sich rund 1,6 Mio. Menschen selbständig gemacht - davon 681.000 Gründer/innen im Vollerwerb und 974.000 Gründer/innen im Nebenerwerb.
  • Gut ein Drittel der Nebenerwerbsgründer/innen will zukünftig in einen Vollerwerb wechseln.
  • Mehr als ein Viertel der Gründer und Gründerinnen war vor der Gründung arbeitslos.
  • Von diesen vorher arbeitslosen Gründer/innen wurde die Hälfte durch Mittel der Bundesagentur für Arbeit gefördert (Ü-Geld und EXG)
  • 46% aller Gründer/innen haben einen Finanzierungsbedarf zwischen 1.000 und 25.000 Euro.
  • Gut die Hälfte der Gründer/innen (rund 48%) kann diesen Finanzierungsbedarf vollständig mit eigenen Mitteln decken.
  • Die andere Hälfte dieser Gruppe ist auf Fremdfinanzierung angewiesen: Bankdarlehen, Mittel von Freund/innen, Verwandten und Bekannten, Beteiligungskapital, Förderdarlehen etc.
  • 23% der Gründer/innen mit Finanzierungsbedarf hatten Schwierigkeiten. Die wichtigsten Probleme stellten fehlendes Eigenkapital, Schwierigkeiten beim Zugang zu Bankkrediten - insbesondere aufgrund fehlender Sicherheiten - sowie mangelnde Aufträge bzw. Umsätze dar.

Die Aussagen des Global Entrepreneurship Monitors

  • Sogenannte Notgründungen aufgrund mangelnder Erwerbsalternativen haben im Berichtszeitraum 2003 signifikant zugenommen. Hierbei handelt es sich auch, aber nicht nur, um Gründungen aus der Arbeitslosigkeit.
  • Ein europäischer Vergleich zeigt, dass Deutschland bei "Notgründungen" einen Spitzenplatz einnimmt. Im Gründungssegment "Notgründungen" ist der Anteil von Frauen besonders hoch.
  • Handlungsbedarf wird bei den gründungsbezogenen Rahmenbedingungen insbesondere in den Bereichen Bildung, Finanzierung sowie Regulierung und Steuern wie auch in einer frauenspezifischen Gründungsförderpolitik gesehen.
  • Das zunehmend restriktive Verhalten der Banken und Kreditinstitute gegenüber Kleinstgründer/innen hat zu einer stark verschlechterten Bewertung der gründungsbezogenen Rahmenbedingung "Finanzierung" in Deutschland geführt und bedarf eines Korrektivs. Viele Expert/innen kritisieren in diesem Zusammenhang das Hausbankenprinzip und wünschen sich eine direkte Weitergabe der finanziellen Mittel an Gründerpersonen ohne Zwischenschaltung der jeweiligen Hausbank.

Literaturhinweis:

Bundesagentur für Arbeit (Juli 2004): Der Arbeitsmarkt in Deutschland, Monatsbericht Juli 2004. Nürnberg. Download: www.arbeitsagentur.de

KfW Bankengruppe (März 2004): KfW-Gründungsmonitor 2004. Gründungen aus der Arbeitslosigkeit gewinnen an Bedeutung. Untersuchung von Gründungen im Voll- und Nebenerwerb. Frankfurt. Download: www.kfw-mittelstandsbank.de

Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen "Gründungsboom in NRW" - Statement zur NRW-Gründungsbilanz 2003 von Minister Harald Schartau (19.03.2004 in Düsseldorf)

Sternberg, Rolf/Bergmann, Heiko/Lückgen, Ingo (März 2004): Global Entrepreneurship Monitor. Unternehmensgründungen im weltweiten Vergleich. Länderbericht Deutschland 2003. Köln. Download: www.wiso.uni-koeln.de/wigeo

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